Krainer Wurst

Krainer Wurst

Slowenien

Sloweniens Nationalwurst. Grob gewolftes Schweineschulter- und Speckfleisch, gewürzt mit nichts ausser Knoblauch und Pfeffer, in dünnen Schweinedarm zu 200-Gramm-Paaren gefüllt, am geschlossenen Ende mit einem kleinen Holzpflock verbunden. Leicht über Buchenholz geräuchert, dann pochiert. Zum Servieren erneut sanft erwärmt, nie gekocht, mit Sauerkraut, geriebenem Meerrettich und einem dicken Klecks gelben Senf gereicht. Seit 2015 EU-geschützte geografische Angabe (g.g.A.).

Geschichte

Die Kranjska klobasa ist nach Kranjska benannt — Krain — dem alten Habsburger Herzogtum, das den grössten Teil des heutigen Sloweniens umfasste. Die erste schriftliche Erwähnung auf Deutsch findet sich in Katharina Pratos Kochbuch Süddeutsche Küche von 1896; auf Slowenisch erstmals 1912 in Felicita Kalinšeks Slovenska kuharica. Beides liegt Jahrzehnte vor Jugoslawien und der slowenischen Unabhängigkeit, weshalb der Name nationales Gewicht trägt. Als Slowenien und Österreich die Wurst im EU-Schutzantrag beide für sich beanspruchten, brauchte es zwei Jahre und ein bindendes Abkommen, um den Streit beizulegen: Der slowenische Name 'Kranjska klobasa' ist Slowenien als g.g.A. vorbehalten, während Österreich das deutsche 'Krainer Wurst' als generische Bezeichnung weiterführen darf. Die g.g.A.-Spezifikation ist streng — mindestens 75 Prozent Schweinefleisch, höchstens 25 Prozent Speck, dünner Schweinedarm als Hülle, Paare mit Holzpflock verbunden, Produktion auf slowenischem Boden.

Zutaten

Schweineschulter (mind. 75%)Speck (max. 25%)Knoblauchschwarzer PfefferSalzNatriumnitritdünner Schweinedarm

Zubereitung

Einen breiten Topf Wasser auf 70 °C bringen — heiss, aber ohne Bewegung an der Oberfläche. Das verbundene Wurstpaar samt Holzpflock hineingleiten lassen. Die Temperatur 10 Minuten stabil halten. Das Fett darf nicht austreten, die Hülle nicht platzen. Mit einem Schaumlöffel herausheben, auf einen vorgewärmten Teller schieben und den Pflock erst am Tisch entfernen. Servieren mit einem Hügel warmen Sauerkrauts, einem Löffel frisch geriebenem Meerrettich, gelbem Senf und einer Scheibe dunklem Roggenbrot. Dazu ein dunkleres slowenisches Bier oder ein junger Cviček aus Dolenjska.

Geschmack

Schweinefleisch und Speck vorne, weich und süsslich, Knoblauch zieht sich durch jeden Bissen. Der schwarze Pfeffer trägt den Nachklang — grob und kräftig, nicht subtil. Der Buchenrauch ist dezent, dient mehr Farbe und Haltbarkeit als dem Geschmack. Meerrettich und Senf daneben sind nicht optional; sie schneiden Fett und Rauch im Wechselbiss.

Textur

Grob gewolftes Fleisch in dünner Naturhülle, die beim ersten Biss hörbar knackt. Der Speck zeigt sich als kleine weisse Würfel im rosa Schulterfleisch. Saftiger als eine Frankfurter, lockerer als eine polnische Kielbasa.

Rituale & Traditionen

Tradition

Koline

Spätherbstliche Schweineschlachtung. Nachbarn treffen am Morgen ein, Feuer werden entzündet, das Schwein wird zwischen Frühstück und Dämmerung geschlachtet und zerlegt. Alles wird am selben Tag verarbeitet: Blut für Krvavica, Kopf für Tlačenka, Schulter und Bauch für Kranjska klobasa. Bis zum Abend ist die Räucherkammer voll.

So macht man es

Im Beutel garen

Viele slowenische Haushalte vakuumieren das Paar nach dem Räuchern. Man kann den ganzen Beutel in 70 °C heisses Wasser legen, die Wurst erwärmt sich, ohne Luft zu sehen oder Fett zu verlieren. Beutel am Tisch aufschneiden, Saft und alles.

Tabu

Niemals direkt grillen

Direkte Flamme platzt die dünne Schweinehülle, das Fett tropft in die Glut, die Wurst trocknet in weniger als drei Minuten aus. Die Kranjska klobasa ist eine Pochierwurst, keine Grillwurst. Wenn schon Grill, dann über indirekter Hitze auf einer Alufolienschale.

Auf der Karte

Klicken zum Aktivieren der Karte

Wo essen

Gostilna Sokol

Gostilna Sokol

Ljubljana, Slowenien

Eine Gostilna von 1870 in einem Bürgerhaus neben dem alten Rathaus von Ljubljana, benannt nach ihrem Gründer Jakob Mehle und dem Falken — sokol — der dem Haus sein Schild gab. Die Ljubljanaer Feuerwehr-Gesellschaft wurde im selben Jahr am langen Eichentisch hier gegründet; im Raum hängen noch die Gemälde aus dem 19. Jahrhundert und stehen die geschnitzten Holzbänke, die dazu gehören. Die Kranjska klobasa kommt auf den Tisch, wie sie jede slowenische Grossmutter servierte: sanft pochiert, auf den Teller gelegt mit Sauerkraut, einem Löffel geriebenem Meerrettich, gelbem Senf und einer Scheibe dunklem Roggenbrot. Die Pilzsuppe im ausgehöhlten Brotlaib ist der zweite Grund, warum die Einheimischen wiederkommen.

Bekannt für: Kranjska klobasa mit Sauerkraut, Pilzsuppe im Brotlaib $$
Klobasarna

Klobasarna

Ljubljana, Slowenien

Eine kleine Steh-Wurstbar in der Altstadt von Ljubljana, zwei Minuten von der Tromostovje entfernt, im Erdgeschoss eines Gebäudes, das einst eine berühmte Uhrmacherwerkstatt war. Stanislav 'Stanč' Logar eröffnete sie 2013 mit einer einzigen Idee: eine Wurst, richtig gemacht. Die Karte ist praktisch eine gedruckte Pause auf g.g.A.-zertifizierter Kranjska klobasa, serviert auf Holzbrett mit Kaiser-Brötchen, scharfem gelbem Senf und einem Häufchen frisch geriebenem Meerrettich. Wer mehr will, ergänzt mit Ričet — Gerstensuppe mit geräuchertem Schwein — oder Štruklji, gewickelt mit Quark. Das brezelförmige Wurstschild und die Warteschlange auf den Ciril Metodov trg sind die einfachsten Anhaltspunkte.

Bekannt für: g.g.A. Kranjska klobasa mit Meerrettich und Kaiser-Brötchen $
+ Restaurant kennen? Vorschlagen

Bewertungen

Bewertungen laden...